Hic sunt dracones: Fächerübergreifende Lehrkräftebildung in den Gesellschaftswissenschaften zwischen Anspruch, Theorie und Empirie
DOI:
https://doi.org/10.11576/hlz-8425Schlagworte:
Interdsziplinarität, Gesellschaftswissenschaften, Fächerübergreifender Unterricht, Fachfremder Unterricht, VerbesserungsvorschlagAbstract
Gesellschaftswissenschaftliche Integrationsfächer wie Gesellschaftslehre oder Gesellschaftswissenschaften sind in vielen Bundesländern fest etabliert, verfügen jedoch weder über eine konsistente theoretische Fundierung noch über eine spezifische Lehrkräftebildung. Auf Basis bestehender Kompetenzmodelle wird gezeigt, dass die disziplinär geprägte Lehrkräftebildung nur begrenzt auf die Realität integrativer Unterrichtspraxis vorbereitet. Fächerübergreifende Ausbildungs- und Fortbildungsangebote bleiben Ausnahmen. Zugleich fehlt bislang eine theoretisch oder empirisch begründete Legitimation für den spezifischen Mehrwert solcher Fächer gegenüber den Einzelfächern. Der Beitrag diskutiert, wie Lehrkräfte angesichts dieser Herausforderungen dennoch auf das fächerübergreifende Unterrichten vorbereitet werden können, das hohe Anforderungen an Fachlichkeit, Didaktik und Kooperation stellt, und entwickelt auf Basis von Professions-, Handlungs- und Unterrichtstheorien sowie empirischer Evidenz zum fachfremden Unterrichten und der Lernwirksamkeit von Integrationsfächern fünf Thesen für die Weiterentwicklung des Diskurses über die fächerübergreifende Lehrkräftebildung. Dazu zählen die Integration epistemologischer Überzeugungen, der (Berufs-)Rollenidentität und kollegialer Kooperation in Kompetenzmodelle, eine präzisere Bestimmung fachfremden Unterrichts, die Abkehr von der impliziten Annahme der Lernförderlichkeit von Integrationsfächern allein aufgrund der curricularen Organisationsstruktur sowie die theoretisch notwendige Bündelung bislang verstreuter Argumente zu einer konsistenten Begründungslogik für Integrationsfächer. Abschließend werden Perspektiven für Forschung und Ausbildung skizziert.
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