Professionalisierungschancen eines kritisch-reflexiv angelegten Seminars zum Thema Bildungsgerechtigkeit

Sensibilisierung angehender Lehrkräfte durch die Integration bildungsbiographischer, theoriegestützter und praxisbezogener Reflexionen

  • Kathrin te Poel Universität Bielefeld
Schlagworte: Bildungsgerechtigkeit, Reflexion, Praxisreflexion, Professionalisierung, Forschendes Lernen

Abstract

Vorstellungen von Bildungsgerechtigkeit, die Lehramtsstudierende mit ins Studium bringen, sind häufig geprägt durch bildungsbiographische Erfahrungen der Studierenden und durch aktuell prominente öffentliche Bildungsgerechtigkeitsdebatten. In der Konsequenz können diese Vorstellungen verkürzt oder sehr fokussiert sein, so dass ein Bewusstsein für die Komplexität gerechtigkeitsbedeutsamer Situationen im Kontext Schule sowie für mögliche gerechtigkeitsrelevante Facetten von (eigenen) Lehrer*innenhandlungen noch geschaffen werden muss. Der Beitrag stellt drei konkrete, in ein Seminar zur Bildungsgerechtigkeitsthematik integrierte Reflexionseinheiten vor, die unterschiedlich akzentuiert sind (biographisch, theoriegestützt und praxisbezogen) und darauf zielen, den Studierenden im Sinne einer reflection-before-action eine bewusste und kritische Auseinandersetzung mit den eigenen (latenten) subjektiven Annahmen ebenso zu ermöglichen wie deren Weiterentwicklung. Professionalisierung wird hier durch die reflektierte Auseinandersetzung mit der eigenen Perspektive und möglichen bisherigen (unbewussten) Fokussetzungen angezielt, wobei eine Perspektiverweiterung wiederum auch die Handlungsoptionen erweitern kann. Das Ziel der Lehrveranstaltung insgesamt besteht in der Sensibilisierung angehender Lehrpersonen für interaktive Praktiken und systembedingte Mechanismen der Reproduktion von Bildungsungleichheit im Kontext Schule sowie für die eigene Handlungsverantwortung.

Veröffentlicht
2020-01-28