Kompetenzorientierung und Inklusion – eine Zusammenführung auf Unterrichtsebene

  • Julia Frohn Humboldt-Universität zu Berlin
Schlagworte: Kompetenzorientierung, Inklusion, inklusiver Unterricht, Standardisierung, Individualisierung

Abstract

Kompetenzorientierung und Inklusion stellen im Rahmen zeitgenössischer Bildungsreformen zwei zentrale, doch vermeintlich unvereinbare Konzepte dar  –  zumindest, wenn Kompetenzorientierung als Standardisierung erwarteter Leistungen und Inklusion als Integration von Schüler_innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf verstanden wird. Damit wird jedoch der elementare  Zusammenhang  ausgeblendet,  dass  sowohl  kompetenzorientierter  als  auch inklusiver Unterricht auf eine umfassende Entwicklung der Lernenden abzielen. In diesem Beitrag werden prozessorientierte Standards für den kompetenzorientierten, inklusiven Unterricht erarbeitet, die zur individuellen Kompetenzentwicklung  beitragen  sollen.  Dafür  wird  eingangs  aufgezeigt,  dass  die  Konzepte  der Kompetenzorientierung und der Inklusion häufig verkürzt rezipiert und damit als unauflösbares Spannungsfeld dargestellt werden. Folgt man sowohl der Etymologie des  Kompetenzbegriffs als auch seiner gängigsten Definition nach Franz E.
Weinert, lassen sich sechs Kompetenzdimensionen ableiten, die es im Unterricht zu  fördern  gilt.  Auf  Basis  dieser  Dimensionen  –  der  individuellen,  kognitiven, motivationalen, sozialen, ethisch-normativen und performativen  –  werden Unterrichtsstandards  formuliert,  die  weder  Leistungsanforderungen  an  Schüler_innen noch  sonderpädagogische  Förderbedarfe  fokussieren,  sondern  die  Prozesse  des
Lehrens und Lernens betreffen, um individuelle Entwicklung zu ermöglichen.

Veröffentlicht
2019-03-10
Rubrik
Theoretische Beiträge zu Grundlagen, Rahmenbedingungen und Herausforderungen