Call für das Themenheft der HLZ "Interaktionale Kompetenzen und ihre Didaktisierung. Erkenntnisse aus der Hochschullehre und der Lehrer*innenbildung"
Gastherausgeberinnen: Prof. Dr. Marta García García (Göttingen), Dr. Ann-Christin Leßmann (Bielefeld), Dr. Julia Sacher (Köln), Dr. Jenny Winterscheid (Karlsruhe)
Mündliche Kommunikation ist grundsätzlich als Interaktion zu verstehen, d. h. sie findet mindestens zwischen zwei Personen statt, beinhaltet neben verbal-lexikalischen auch nonverbale (Gestik, Mimik) und paraverbale (Stimmlage, Prosodie etc.) Elemente und konstituiert sich in Form kommunikativer Praktiken (u. a. Fiehler 2015). Wissen über die situativ angemessene Realisierung der jeweiligen Praktiken wird in der Sozialisation erworben; der gesteuerte Erwerb der entsprechenden interaktionalen Kompetenzen ist zudem Gegenstand von schulischem (Sprach-)Unterricht.
Für (angehende) Lehrer*innen ist es daher entscheidend, im Rahmen von Aus- und Weiterbildung die (gesprächs-)linguistischen Grundlagen interaktionaler Kompetenzen kennenzulernen. Der Blick in die Unterrichtsrealität offenbart aber, dass Mündlichkeit und Interaktion in den Fächern sehr unterschiedlich konzeptualisiert, explizit gemacht und thematisiert werden: Im Deutschunterricht liegt der Schwerpunkt zumeist im Bereich der medialen Schriftlichkeit (lesen, schreiben bzw. im Bereich des Grammatikunterrichts; vgl. z. B. Behrens 2022, Fiehler 2015). Auch zeigt sich, dass die mündlichkeitsbezogenen Vorstellungen von (angehenden) Lehrer*innen häufig stark schriftsprachlich geprägt sind (vgl. z. B. Fiehler et al. 2004, Hoffmeister 2021, Sacher 2025).
Geeignet für detaillierte Einblicke in mündliche Praktiken und interaktionale Kontexte für Lehramtsstudierende und Lehrer*innen in der Aus- und Weiterbildung erscheint hier der Einsatz von Methoden der Gesprächsanalyse. Die Gesprächsanalyse verspricht aufgrund ihrer methodologischen Besonderheiten (wie Fokus auf der interaktionalen Mikroebene, Sprecher*innenperspektive, streng deskriptiv-rekonstruktive Herangehensweise an Datenmaterial, Arbeit mit authentischen Daten, Kontextorientierung; vgl. u. a. Bergmann 1981, Deppermann 2008, Sacks 1984) Einblicke in die zentralen Mechanismen mündlicher Interaktion und die diversen situationsspezifischen Ausprägungen kommunikativer Praktiken.
Ziel des Heftes ist es, die verschiedenen Aspekte der Didaktisierung und Vermittlung interaktionaler Kompetenzen aus einer wissenschafts- und hochschuldidaktischen Perspektive (vgl. u. a. Reinmann & Rhein 2022) umfassend und fachübergreifend zu beleuchten.
Das Themenheft wird unter federführender Herausgeberschaft von Prof. Dr. Marta Garcia Garcia (Universität Göttingen), Dr. Ann-Christin Leßmann (Universität Bielefeld), Dr. Julia Sacher (Universität zu Köln) und Dr. Jenny Winterscheid (Universität Karlsruhe) im Online-Journal ‚Herausforderung Lehrer*innenbildung – Zeitschrift zur Konzeption, Gestaltung und Diskussion (HLZ)‘ erscheinen. Der Erscheinungstermin ist für das Frühjahr 2027 geplant.
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